Die weltweit besten Murmelspieler aus Russland, Deutschland, Belgien, Madagaskar, Portugal, Spanien, Tunesien und Frankreich trafen sich zum großen Finale der Murmelweltmeisterschaft 2009 in Royan, um ihre letzten Trümpfe auszuspielen.
Die staunenden Zuschauer wurden Zeuge eines unerbittlich harten Wettkampfes, den die angereisten Kontrahenten sich lieferten.
Unglaublich, dieser Parcours 2009! Die begnadeten Schöpfer der Murmelweltmeisterschaft schufen mit Herzblut und Leidenschaft einen großartigen Parcours, mit eingebauten Hindernissen und Fallen, der selbst so manchen Profispieler ins Schleudern brachte: Unebenheiten, Schluchten, Kurven, eckig verlaufende Teilstrecken – der Fantasie der Schöpfer waren keine Grenzen gesetzt bei dieser 29. Murmelweltmeisterschaft.
Welch leidenschaftliche Entdeckungsreise durch das Erbe von Charentais-Maritime erlebten die zahlreich anwesenden Touristen, die sie mitten durch die herrlichsten Landschaften führte: Arènes de Saintes, Zoo von La Palmyre, das galloromanische Theater, Antilles de Jonzac bis hin zu den Jardins du Monde.
Nicht einmal eine kurze Aufwärmphase war den 9 Finalisten vergönnt. Es galt, sich von Beginn an zu behaupten, sich durchzusetzen um den Weltmeistertitel zu ergattern, den der Belgier Jonathan de Cordier zu verteidigen hatte.
Bereits in den ersten vier Spielrunden zieht der Spanier Juan-José Lopez-Mazuelas nach vorn und setzt sich brillant durch, dank einiger sehr schöner Würfe, die schnell die ersten Hindernisse des Parcours durchliefen und dabei den Großteil seiner Mitstreiter am Fuße des Leuchtturms der Wale blockierte. Aber da hatte er nicht mit dem starken Deutschen Holger Dress gerechnet, der die Fackel an sich reißt und an ihm vorbeizieht. Ohne Probleme überwindet er den Sprung zwischen den zwei Inseln, schwingt sich mit einem eleganten Schnipser zum „Leuchtturm von Chassiron“, den Hütten der Fischer von „Marennes“ und mit einer raffinierten Strategie erreicht er schließlich die „Arènes de Saintes“, wo den Ruhm genießt, an erster Stelle zu stehen.
Von der Spitze des Spielfeldes aus gestartet tut sich der neue französische Champion anfänglich schwer die “Pont de Ré“ zu überqueren. Jean-Pierre Dupray ist angespannt, waren doch mehrere seiner Würfe ins Aus des Parcours gegangen. So sieht er die Aussicht auf Gewinn an sich vorbeiziehen, ganz zum großen Leidwesen seiner Unterstützer, die noch vor einigen Stunden seine Mitstreiter waren.
Schlecht beginnt das Finale für Jonathan De Cordier, der in einer eckigen Biegung blockiert und am Weiterspielen gehindert wurde. Als es ihm in Runde 8 gelingt das Hindernis zu überwinden, wachsen seine Hoffnungen auf einen Sieg. Mit spektakulären Würfen schafft er es bis an die Spitze des Trios, das von Holger und Juan-José angeführt wird.
Weiter hinten bleibt eine kleine Gruppe zurück, bestehend aus dem Schweizer Christian De Marco, Jean-Pierre Dupray, dem Portugiesen Domingos Da Silva und dem Tunesier Latiff Bouali. Holger, der am Fuße des „Riquidoun“ auf der Seite von Surgères blockiert wird, verliert dadurch wertvolle Zeit und sieht die Poleposition zu Juan-José rüberwehen. Als zäher Widersacher sieht der Spanier, der auch Opfer mehrerer Ausbälle geworden war, seine Chancen auf einen Titel mit dem Aufholen von Jean-Pierre und Jonathan jäh dahinschrumpfen.
In Runde 15 setzen sich 5 Konkurrenten durch, die verbissen und leidenschaftlich um den Weltmeistertitel ringen: Holger, Jean-Pierre, Jonathan, Juan-José und Latiff. Der Wettkampf zeichnet sich nun durch taktisches Geschick aus, die Einzeldarbietungen der Kontrahenten sind atemberaubend und beeindruckend, das Publikum tobt. Dann meistert Jean-Pierre eine anspruchsvolle Trapeznummer: er lässt die anderen Spieler hinter sich, überquert den Wald von Montendre, geht los auf Royan, überwindet eines der schwierigsten Hindernisse und findet sich schließlich an der Ziellinie wieder. Eine regelrechte Keilerei um den zweiten Platz entsteht hinter ihm; die Rebellen organisieren sich, die Fans bekunden ihre Zufriedenheit. Dann Stille. Jean-Pierre scheitert zum wiederholten Male. Unmöglich erscheint es die 16 mm kleine Murmel in die Kokosnuss des Gorillas von Palmyre zu befördern. Seine Gegner flitzen auf der Schlußlinie hin und her. Jean-Pierre ganz vorn, so nah am Ziel – wird er den Sieg wieder aus den Händen geben? Es folgt einer der glanzvollsten und glorreichsten Momente des gesamten Wettbewerbes. Nach sechs Versuchen schickt Jean-Pierre Dupray, dem der Druck seiner drei durchtriebenen Gegner nichts hatte anhaben können, die kleine, eigensinnige Murmel in die Kokosnuss.
Mit tosendem Beifall erheben sich die Zuschauer von der Tribüne um die grandiose Leistung des Weltmeisters 2009 zu feiern. „Der Druck, der mir von Beginn an im Nacken saß, habe ich mir selbst zuzuschreiben – mehre meiner Würfe waren ja im Aus gelandet. Aber dann habe ich doch von meiner Erfahrung profitieren können. Auf dem letzten Hindernis sah ich schon, wie der Sieg an mir vorbeizog als die anderen Spieler aufholten. Dann ein guter, zielgerichteter Schuss und das Glück auf meiner Seite…“ Der Deutsche Holger Dress belegt den 2. Platz: „Ich hatte sehr viel Spaß an der Meisterschaft. Mein ganzes Spiel war ein einziger Hindernislauf.“ Platz Nummer 3 geht an Jonathan de Cordier: „Ich war von Anfang an angespannt und kam bereits bei den ersten Hindernissen in Schwierigkeiten. Der Parcours ist wundervoll, aber sehr schwer.“ Monsieur Didier Quentin, Abgeordneter und Bürgermeister von Royan, ehrte die Spieler im Beisein von Jacky Vernoux, dem Organisator der Murmelweltmeisterschaften auf Sand.